Hochsensibilität & Traumata

Hochsensibilität & Trauma-Erlebnisse- wie passt das zusammen?!

Stelle dir einen Fallschirm vor, der dich sicher trägt nach dem Absprung. Er ist vollständig geöffnet und bringt dich sicher zur Erde runter.

Ist allerdings eine Naht unvollständig oder kaputt, bläht sich der Schirm nicht in seiner vollständigen Spannweite auf, dann erfolgt eine unsanfte bis existenziell fatale Landung.

Oder auf den ausgespannten Schirm fällt aus einer darüberliegenden Höhe ein anderes Gewicht und dellt den Schirm ein und schon verändert sich die Tragkraft und der Verlauf des Fluges – Trudeln, Verdrehungen, Verwicklungen, Verletzungen – körperlich in diesem Fall erst mal mehr als seelisch (evtl. ist auch das Denken belastet durch falsche Prägungen und Wert.Urteile, Missverständnisse u.a.)!

Als Menschen kommen wir vollständig auf die Welt. Wir sind erst einmal darauf angewiesen von der Hebamme, dem Gynäkologen, den Schwestern und Pflegern genauso freundlich und liebevoll aufgenommen zu werden wie von der eigenen Mutter oder dem eigenen Vater – biologisch und psychisch gibt es auch tatsächliche Unterschiede – weil die Erzeuger nicht unbedingt die Fähigkeiten mitbringen wirklich geborgenheitsgebende und fürsorglich sowie wirklich erwachene Eltern zu sein.

Fakt ist, dass viele Hochsensible Menschen in Familien geboren werden, die längst aus dem Gleichgewicht eines ethisch-humanen Verhaltens herausgekippt sind, durch eigene Belastungen oder auch wirklich andere Talente als ihr Kind. Mütter, Väter, die missbraucht wurden, familiär hilflosgemacht – Opfer- sowie Täter- und Retterstrukturen unterworfen waren -weitergegeben über Generationen, müssen für sich und ihre Kind lernen den Weg aus den seelischen, körperlichen sowie mentalen und emotionalen Verletzungen zu gestalten mit guter Unterstüzung.

Es können ungesunde, aus dem Gleichgewicht geratene Eltern-Kind-Beziehungen entstehen: Mütter/Väter, die alle Aufmerksamkeit brauchen – weil sie histrionisch (zwanghaft im Mittelpunkt stehen müssen) sind oder Borderlinerin grenzübergriffige, „besetzende“ Menschen mit Liebe- und Hassgefühlen). Narzisstische (sich selbst erhöhende und andere erniedrigend) gefühlsverkümmerte Väter/Mütter, die die Güte ihrer Kinder psychisch aufbrauchen. Liebeshungrig, fälschlich orientiert daran das liebevolle, kindlich-vertrauensvolle zu gebrauchen für das eigene Leben. Kinder, die dann viel zu früh erwachsen werden müssen und dann Eltern beeltern.

Diese Menschen können ihre Kinder alles andere als unterstützen, eigenes Fehlverhalten wird geleugnet und tabuisiert; belastende Erfahrungen ihrer eigenen Kinder werden nicht erkannt und die Kinder bekommen keine Hilfe. Erst im Jugendlichen-Alter oder als Erwachsene können sie diese Situationen und damit Mutter und/oder Vater verlassen, um psychisch gesund ihr Leben zu gestalten.

Hochsensible bringen mehrere Honig-Töpfe mit: liebevoll, ästhetisch orientiert, ethisch klar, religiös, natürlich-philosophisch, individuellen Humor & Fröhlichkeit, Resilienz & Rebellionskraft. Sie können wie Halbstarke sein, auch wütend und dann herrisch-eigenwillig (wahrheitsliebend) immer mit der Ausrichtung auf Missstände aufmerksam zu machen.

Leider gibt es Eltern, Lehrer und viele mehr, die nicht erkennen, welche Kraft und Visionsgestaltungsmöglichkeiten sie mitbringen. Und wieso sie das Umfeld mit ihren unmittelbaren Menschen auch klar darstellen wie verdeckte Wut oder Traurigkeit und auch die Gewalt, die durch Verschleierung und Tabuisierung stattfindet. So entsteht Unrecht und das ist für den Gerechtigkeitssinn der hochsensiblen Menschen fatal, wenn sie dann daran scheitern.

Gerade Kindern fehlt erst die Sprache oder das Sprachrohr – das müssen sie sich dann als Erwachsene (wieder) erarbeiten aus der Sprachlosigkeit zu kommen. Sich wahrzunehmen und die Situation oder die beteiligten Personen in allen und vollen Umfang sowie den Bereichen, die sie positive wie negativ spüren.

Was ist ein Trauma? Das Wort kommt aus der griechischen Sprache und bedeutet „Wunde“ dabei ist es egal, ob die Wunde körperlich, seelisch, emotional oder mental erfahren wurde. Mit einer mentalen Verletzung wurde der gesunde Menschenverstand verletzt duch eine Beleidigung, eine würdeattackierend-reduzierende Aussage, Verunglimpfung usw.

Da reicht eine Aussage wie „Du schaffst das nie“, “ Was du schon fühlst“, “ Du bist zu dumm“ oder „Was? Ausgerechnet du willst das schaffen?“ unendlich austauschbare Worte der Diskreditierung, des „Kraftlosmachens“ und Entwürdigung bzw. Ausgrenzungen.

All das können Wunden sein, die wir als Menschen im menschlichen Leben kennenlernen und diese belastenden, auch grausamen Erfahrungen müssen anerkannt werden. Du bist der Zeuge für Erlebnisse und Empfindungen, die du durchlaufen hast. Deshalb ist es wichtig, dass du sie würdigst – manchmal bekommst du keine Hilfe von aussen oder auch durch ein Gerichtsurteil und einer Verurteilung des Täters.

So ist deine Aufgabe, dass du bemerkst, dass du das Schlimme überlebt hast und du DU bist und o.k. Bis dahin läufst du immer wieder durch Zweifel, suchst was deine Aufgabe ist, wieso du eigentlich da bist und worin deine Fähigkeiten eigentlich liegen, wenn du so unerkannt und unanerkannt durch die Lebenserfahrungen & das Lebensverständnis von anderen Menschen strudelst – ohne Anker im Aussen zu finden. Und dann beginnt das Finden:

Hochsensible sind keine Weicheier, neben ihrer Zartheit haben sie Durchsetzungskraft, die Fähigkeit zu überleben, und gewinnen an Stärke, wenn sie zulassen, dass die Verletzungen jeglicher Art sie dazu führen ihre Stärke zu finden.

Das ist mitunter ein langer Weg, wenn dieser ohne Beistand durch Partner, Eltern oder Freunde erfolgt. Hochsensible sind daher manchmal lange im Bereich des Suchens bis sie Finden, was ihnen gefällt, Freude macht und wo sie ihre Kompetenz entwicklen und sich auch etwas zutrauen und beherzt dafür handeln.

Auf der anderen Seite entscheiden sich manche entscheiden nie eine Familie zu gründen oder eine feste Partnerschaft einzugehen, weil die Grobheiten der Ursprungsfamilie zu heftig waren und sie glauben, dass sie unfähig sind. Nur die Gewalt und die mentale „Verbogenheit“, die psychischen Deformationen lagen in persönlichen oder kollektiven, bewussten wie unbewussten Verhaltensregeln, die auch in der Verantwortung jener Menschen liegt.

Da darf ein hochsensibler Mensch es auch belassen bei der Schuldfrage; ebenso wie bei der persönlichen Entwicklung zu vergeben in dem Sinne alles andere als einverstanden zu sein mit Missbrauch & Gewalt jeglicher Art. Deshalb darf sich ein Hochsensibler fort entwickeln aus dem Sumpf und Täter verlassen, um selbst für sich das Leben zu gestalten in der tiefen Erfahrung was Gewalt anrichtet durch unreflektierte, gefühlsarme Menschen und das ist das Wichtigste, die auch so bleiben wollen.

Es ist ein Weg, der sich lohnt nach den Wunden zu sehen, sie zu heilen mit Eigenverantwortlichkeit und Selbstachtung … und dann begegnen dir auch hilfreiche Menschen, die deine Öffnung zum Leben – weg vom reinen Überleben- unterstützen.

Das Leben wandelt sich dann in Sinnhaftigkeit bzw. dein Leben wird auf anderen Bereichen sinnvoll auch nach Leiderfahrungen. Gerade weil Du weisst wie fatal-vernichtend manches gewirkt hat.

Nutze deine Klarheit, deinen Mut, deine gesamten Fähigkeiten und erkenne sie als das an was sie sind – wertvoll.