Mediation & Hochsensibilität

Löwenzahn durchbricht harte Erde; hat Wurzeln und alles was er braucht!

Mediation & Hochsensibilität –

Abschlussarbeit zur „Zertifizierten Mediatorin“

The trail does not teach you

who you are

It can just teach you

 to accept who you are! – (Leitspruch der Thruhiker)

Prolog – Es geht um Sprache & Verständnis

Die Geschichte von Kalif Storch von Wilhelm Hauff (Kurzversion)

„Der Kalif Chasid zu Bagdad und sein  Effendi (Großwesir) Mansor kaufen von einem Krämer in Pulver, mit dem sie sich in Tiere verwandeln und deren Stimmen verstehen können.

Allerdings verstoßen die beiden gegen die Auflage, nicht lachen zu dürfen. Sie müssen Störche bleiben, weil sie durch das Lachen den Zauberspruch vergessen haben, der sie wieder in Menschen zurückverwandelt hätte: „mutabor“ (lateinisch: „ich werde mich verwandeln“).

Der Kalif bemerkt dann, dass sie auf seinen alten Feind, den Zauberer Kaschnur, hereingefallen sind, als dessen Sohn die Herrschaft des Kalifen unter dem Vorwand übernimmt, dass dieser gestorben wäre. Daraufhin begeben die zwei Verwandelten sich auf eine Reise, auf der sie die Eule Lusa kennenlernen und sich mit ihr verbünden. Diese gibt sich als eine ebenfalls vom Zauberer verwunschene Prinzessin zu erkennen, die nur durch ein Heiratsversprechen wieder in ihre menschliche Gestalt zurückverwandelt werden könne. Unter der Voraussetzung, dass einer der beiden – trotz ihrer Gestalt als hässliche Eule – um ihre Hand anhalten muss, zeigt sie den beiden den geheimen Treffpunkt des Zauberers und seiner Verbündeten. Dort berichten die Anwesenden von ihren Untaten, und die beiden Störche können das benötigte Zauberwort in Erfahrung bringen, ohne bemerkt zu werden.

Endlich wieder in menschlicher Gestalt, kehren der Kalif und seine zwei Begleiter nach Bagdad zurück, wo der illegitim als Kalif amtierende Sohn des Zauberers vom Thron gestürzt und nun seinerseits in einen Storch verzaubert wird. Der Zauberer wird gehängt, und Chasid ist wieder Kalif von Bagdad. Lusa, die sich bei ihrer Rückverwandlung als ausgesprochen schöne Frau erweist, bleibt an seiner Seite.“ ( de.wikipedia.org/wiki/Die Geschichte von Kalif Storch)

Die Geschichte beschreibt wie Menschen sich unter Einflüssen, Prägungen und Aussagen („Einflüsterungen“) verändern oder sich auch treu bleiben und damit ihren Charakter sowie ihre Handlungen im positiven wie negativen selbst auch erkennen (Fähigkeit zur Reflexion).

Neugierde, das Wissen wollen wie die Lösung gefunden wird und funktioniert, ist dann die Wandlung des aktiven „mutabor“ und ein Prozess, der das Alltagsleben von hochsensiblen &hochbegabten Menschen kurz und knapp erfasst.

Da die Mediation auch einen Raum zur Wandlung, Erkenntnis, tiefem Verständnis und positiver Lösung anbietet in der Verbindung, dass Kommunikation – verbal und nonverbal – permanent stattfindet, schaffen die Fähigkeiten hochsensibler & hochbegabte Menschen die Basis für eine schnellere und effiziente Lösung auch in Konflikten.

  1. Was ist Hochsensibilität & Hochbegabung?

Hochbegabung oder Intelligenz hat mehrere wichtige Bausteine, die sich wie folgt unterteilen lassen; aufgrund der „Theorie der multiplen Intelligenzen“ von Howard Gardner:

  • Intellektuelle Intelligenz: Logik & Mathematik, Kognitivität, Analytik & Sprachlich-Linguistische Intelligenz (number smart – word smart – picture smart)
  • Emotionale Intelligenz: Sensitivität, Sensibilität, hohe Sensorik (nature smart – music smart – body smart – picture smart – word smart – self smart)
  • Soziale & Interpersonelle Intelligenz : Empathie bis Telepathie (people smart – nature smart – body smart – self smart)
  • Intrapersonale Intelligenz (self smart – music smart – body smart – picture smart); körperlich-kinästhetische Intelligenz, Bildlich-Räumliche Intelligenz, Musikalisch-Rhythmische Intelligenz.

Hochsensibilität oder Hochsensorik sind also Elemente von vielfältiger, hoher Intelligenz und entsprechen einer normale, menschlich-natürliche Veranlagungen und damit persönlichen, wesentlichen Eigenschaften.

Derzeit sind ca. 12 Millionen Menschen in Deutschland hochsensibel – ca. 3 Millionen rein logisch-hochbegabt. Diese große Anzahl mit der Fähigkeit sensorisch prozessorientiert sensitiv zu sein und damit sensorisch detailliert sehr vieles zu erfassen; sind mit einem anderen Ausdruck „wahrnehmungsbegabt“. Im Einzelfall kann diese Fähigkeit medialen Fähigkeiten entsprechen und sind daher alles andere als esoterisch wie die Medialität in dem Bezug auch meist verunglimpft wird. Wahrgenommen wird von hochsensiblen & hochbegabten Menschen der gesamte Kontext, in dem sein Gegenüber lebt – all seine Geschichten, Gedanken- und Glaubensmuster, die dann sein individuelle Lebensgeschichte formen.

Auf der anderen Seite der Skala für sensorische  Wahrnehmungs-begabung oder sensorische prozessorientierte Sensibilität finden sich Gefühlsblindheit bis Gefühlsausdruckslosigkeit oder Gefühlsunerfahrenheit (Alexithymie belastete Menschen) und damit verbundener Gefühlsorientierungslosigkeit; das betrifft ca. 13 Millionen – Zahl steigend- und stehen Hochsensibilität/Hochsensitivität gegenüber bzw. dazwischen ist die Menge an Menschen, die „robuster“ wirken und teilweise auch sind mit deutlich reduzierter Sensorik.

Obwohl langsam auch in populären Zeitschriften die Gesellschaft für diese Themen sensibilisiert wird, gibt es viele Fragen oder Unsicherheiten bei Menschen, die selbst hochsensibel & vielfältig-hochbegabt sind oder vermuten, diese natürlichen Wesensmerkmale zu haben. Oder auch, wenn KollegINNen, Partner oder  eigene Kinder diese wesentlichen unveränderlichen Merkmale – ähnlich der Augenfarbe oder Hautfarbe – mitbringen,  braucht es Kenntnis über Herausforderungen & Möglichkeiten sowie Mut der mit diesen Fähigkeiten ausgestatteten den anderen „Normalos“ zu begegnen; auch zu sich selbst bzw. diesen KollegINNen, Partnern und Familienmitgliedern zu stehen und sie eben auch anders als „normal“ wertzuschätzen.

Familienangehörige oder Lehrer und Ausbilder, Ärzte, Psychologen und Berater wie Anwälte stehen dann auch gelegentlich vor einigen Herausforderungen und müssen auch mit (noch) Unbekanntem umgehen lernen (wollen).

„DIE Hochsensibilität“  gibt es schlichtweg nicht; dennoch einige pauschalere Merkmale. Hochbegabung – multiple Intelligenz – die in Verbindung mit der hohen sensorischen Fähigkeiten existiert ist in mehr Facetten im Alltagsleben.

Kurzzeitige emotionale Betroffenheit oder wie langfristige Belastung kann ganz anders wirken. Hochsensible & Hochbegabte finden individuell innere Stabilität finden, wenn ihnen bewusst ist, dass ihr „Anderssein“ (auch) normal ist und ihre Harmonieorientierung kann gut innerhalb Konfliktgestaltung wirken, sofern sie ihre oft unterstellte  „Konfliktscheuheit oder Konfliktunfähigkeit“ selbst definieren und entdecken, dass sie kämpferische und gerechte Elemente leiten können wie auch ihre feinste Empathie bis Telepathie in den einzelnen Situationen.

  • Hochsensibilität – ein kurzer Exkurs in die Psychologie

Das, was du hinrotzt (in Leichtigkeit tust) ist dein Talent!“

Zitat von Jürgen vom Scheidt – Psychologe, Ausbilder von Mentoring für Hochbegabung

Der Begriff „Hochsensibilität“ wurde von der US-Amerikanischen Psychologin Elaine Aron erstmals in die Öffentlichkeit gebracht. Sie selbst entdeckte für sich und Kommilitonen sowie Freunde, dass die klassischen Zuordnungen von Persönlichkeitsmerkmalen bzw. Dysbalancen bis Störungen für diese Menschen unzutreffend waren und viel eher kontraproduktiv.

Hochsensibilität“ in diesem Sinn ist „Highly Sensitivity“ (hohe Sensitivität) oder noch klarer definiert „Highly sensory processing sensibility“ von Elaine Aron definiert. Diese hohe sensorische prozessorientierte Sensibilität oder Wahrnehmungsbegabung beschreibt ein Spektrum simultan erfolgender Synchronisationen der menschlichen Sinne: VAGOK – visuell, auditiv, gustatorisch, olfaktorisch und kinästhetisch bzw. haptisch. Aufgrund dieser prozessorientierten Verarbeitung von Impulsen und Informationen, der Vielschichtigkeit, ergibt sich ganz klar der Bezug zu „Hochbegabung“ oder Vielfältigkeitsbegabung sowie einer natürlichen breiten Werteskala, die allen Soft Skills-Fähigkeiten entsprechen.

Dem Zugrunde liegen eine andere natürliche Hypophysen-Hypothalamus-Nebennieren-Verschaltung, die dem Motor eines Ferraris vergleichbar ist, gegenüber den anderen Verschaltungen, die eben dann einem Audi- oder Opel-Motor entsprechen und auf andere Impulse und Reize reagieren sowie ein eigenes „Fahrverhalten“ haben in ihrem natürlichen Spektrum. Allerdings das „Ferrari-Spektrum“ auch nicht erreichen können aufgrund ihrer eigenen „Bauweise“.

Neurobiologische bzw. wissenschaftlich-anatomische neueste Forschungsergebnisse besagen, dass der Balken im Gehirn, der die linke und die rechter Gehirnhälften verbindet bei Hochsensiblen Menschen entweder kleiner, kürzer oder gar nicht vorhanden ist; als evolutionär-biologische Anpassung und Äquivalent an die technischen Entwicklungen, die auch schneller verarbeiten, integrieren und lernfähiger sind – bei den hochsensiblen Menschen kommt allerdings die feine Qualität der Sinne, des Fühlens dazu und intensiviert vieles.

Die geschlechtliche – weiblich/männlich – Verteilung liegt überraschenderweise gleich bei 50:50. Auswirkungen sind geschlechtsspezifische Erziehungsformen und Wertungen darüber „Was weiblich ist oder eben männlich“! und damit auch blockieren und verhindern diese Fähigkeiten als „gift – to be gifted“ zu werten.

Neben den 5 Sinnen: sehen, hören, riechen, schmecken, bewegen/tasten gibt es in dem filigranen Nervenleitsystem dann auch einen 6. Sinn, der sich aufgrund der schnellen Informationsverarbeitung in eine Form von Medialität und Klarfühlen, Klarsehen, Klarhören, Klarschmecken und Klarriechen führt. Durch diese natürlichen Veranlagungen haben Hochsensible & Hochbegabte eine klare und starke Fähigkeit im Bereich der Empathie bis hin zur Telepathie, die das „Denken“ anderen und kollektive Strömungen mit einschließt. Was zum einem eben ein Vorteil ist, aber nachteilig, wenn zu viele Inputs einem Tsunami gleich einströmen.

Ein weiteres Spektrum eröffnen amerikanische Zuordnungen in 2 Hauptgruppen, die die Wesensmerkmale & Lebensbedingungen bzw. Lebenserfahrungen mit 2 Blumenarten verbinden:

  • Löwenzahn – eine Pflanze, die durch den Asphalt bricht mit enormer Disziplin & Kraft
  • Orchidee – eine Pflanze, die durch die einzigartigen Lebensbedingungen aus Humus und Wasser, eben einen ganz anderen Lebensraum hat

Dazu gehört die Idee, dass Familien wie Unternehmen und letztlich jede Art von Partnerschaft in einem Ökosystem funktioniert. Entgegen der oft „landläufigen“ Meinung, dass hochsensible & hochbegabte Menschen „Mimosen“ und „Weicheier“ oder „empfindlich“ sind, sind die „Löwenzahn-Menschen“ als Äquivalente in oft harte, rigide, Empathie eingeschränkte bis empathielose und schwer traumatisierte Familien hineingeboren, um auf das „andere in der Menschlichkeit aufmerksam zu machen. Leider scheitern sie oft in diesen Beziehungen mangels Bereitschaft der anderen zu Reflexion und Gesundung; sie durchbrechen dann den Kreislauf bzw. „den Asphalt“ und gehen irgendwann in ihre eigene Kraft, Buntheit und Stärke und integrieren ihre Fragilität in der Erfahrung antifragil und autonom zu werden und zu leben.

Die „Orchideen-Menschen“ können nur in Atmosphären gedeihen, die Ästhetik, Harmonie und Gesundheit, Fürsorglichkeit anbieten. Sie sind eine „Spur empfindsamer“ und benötigen auf jeden Fall harmonische Beziehungen! Und ein „aufgeräumteres Leben“; kann dann auch dogmatisch, pedantisch wirken, weil z.B. kein Essen auf dem Teller vermengt werden darf. Konfliktscheu sind sie zugunsten von der Selbstfürsorge und einer Selbstgenügsamkeit, die oft verwechselt wird mit „Mangel oder Unterwürfigkeit“.

Beiden Gruppen ist gemeinsam, dass sie natürliche Führungskompetenz haben, unterschiedliche Durchsetzungs- und Duldungs- bzw. Leidensfähigkeit. Sie führen und unternehmen viel weniger kriegerisch, sondern mit Weisheit in Einbindung und zum Wohl des Teams (Partners, Familie) und sind hier sehr präsent, extrovertiert anstatt zu der hohen „stillen“ Reflexionsfähigkeit, die sie dann „schüchtern oder introvertiert bis träumerisch“ erscheinen lässt.

  • Einflüsse im Leben und im Dialog mit hochsensiblen & hochbegabten Menschen

Das, was du hinrotzt (in Leichtigkeit tust) ist dein Talent!“

Das, was so sehr mit uns verbunden ist, was in Einklang nur mit uns existiert, „färbt“ unsere Weltanschauung und wie wir in die Welt gehen. Es kann passieren, dass wir dann ein lebenslang die Anstrengung suchen und nicht finden, weil die Leichtigkeit unserer Talente und Fähigkeiten erst einmal keinen Namen und keine Wertschätzung hat. Daher ist es wichtig, die Vorteile, Herausforderungen und Probleme zu kennen, die Hochsensibilität, hohe Sensorik und Begabung mit sich bringen. Die Einflüsse im Leben und im Dialog sind in den Schwerpunkten festzumachen:

  • Reizüberflutung/Intensitätsempfindung

Schwache Filter bzw. Filterlosigkeit im Gehirn wie im Körper lässt je stärker die sensorische Sensibilität und durchlässiger ist alle Informationen auf der körperlichen Ebene – Temperatur und Gerüche erfassend – Gedankenstrukturen des anderen erkennend sowie auch Gefühle und Emotionen fühlend, eben in enormer Intensität aufprallen. Hieraus resultiert die Simultan-Verarbeitung, die parallel dauernd im Hintergrund abläuft. D. h. parallel läuft auch immer das Programm: Flucht-Kampf-Totstellen. Der Scan von Situationen und Atmosphären sorgt zusätzlich für die Schaftstellung der Sinne und zugleich für Erweiterung der Foki. Daraus ergeben sich dann auch andere Nähe-Distanz-Verhältnisse im Gemeinschaftsleben, ein anderes Ruhe und Bewegungsverhalten sowie Essgewohnheiten u.v.m.

  • Perfektionismus/Detailgenauigkeit

Die Detailgenauigkeit als natürliche Erfassungsgabe und Verarbeitungs-Tool fordern den Hochsensiblen & Hochbegabten oft bis an die Grenze der Erschöpfung. Das reduziert und wandelt die vorhandene Schnelligkeit im Fühlen & Denken dann in die Langsamkeit der Umsetzung und fordert Geduld für sich selbst und diese fehlt oft (während diese meist für andere da ist. Gelegentlich kann das auch bei Distress in Verachtung oder Missachtung führen, für die eigene „Langsamkeit“ oder auf die, die tatsächlich langsamer erfassen und begreifen oder erst gar nicht feinere, subtilere Informationen aufnehmen, weil sie „grober gestrickt sind“ und nie gelernt haben auf diese Foki zu achten). „Es ist nicht perfekt allerdings optimal“ ist der Lernstoff für diese talentierten Menschen.

  • Finden der Berufung/ Viele Berufungen haben

Aufgrund der vielfältigen Fähigkeiten gibt es viele Interessen, die in einen Beruf führen können: künstlerisches Talent, heilerische Begabung, Fähigkeiten zum Schreiben, oder zum Tanz wie auch didaktische, vermittelnde Fähigkeiten und Wissenschaftsinteresse.

Für Hochsensible Menschen ist fast alles eine Berufung, deshalb ist es wichtig von Berufungen zu sprechen: Freundin-Sein, Partner-Sein, Mutter/Vater-Sein, Kollegin-Sein, Chef/Arbeitgeber-Sein oder Unternehmer-Sein. Es gibt in der Folge wenig Trennung zwischen Privatleben und Berufsleben; man kann das auch als „hohe Authentizität“ bezeichnen. In dem Zusammenhang ist der Hinweis wichtig, dass Begeisterung, Neugier, „Recht.schaffen.heit“ als „Ritter, der den Fehdehandschuh aufgreift“ und auch bis zum Letzten streitet und verteidigt als altruistische Grundhaltung zu betrachten. Deshalb sind auch Anwälte, Ärzte, Coaches und andere in den  Berufen zu finden, mit den Talenten der hochsensiblen/hochsensorischen & vielfältig Befähigten.

  • Hohe moralische Ansprüche/ Themen aus Religiosität & Philosophie

Stellen sie an sich selbst und andere bei Verbindlichkeit, Loyalität, Rücksichtnahme, Pünktlichkeit, Fleiss, Einfühlungsvermögen. Hier finden sich auch werthaltige Maßstäbe wie Interkulturelle, überkonfessionelle Akzeptanz, Offenheit für unterschiedliche Lebensformen/-gemeinschaften (weil nur aus der selbst empfundenen positiven Wertung eigene Lebensformen entwickelt werden; die den gleichen Anspruch für andere Menschen zulassen). Weltgewandtheit, Reisefreude & Entdecken von neuen & fremden Gesellschaften; überkonfessionelle Haltung bzw. eigene „religio“ (ist keine Religion!). In diesem Zusammenhang entwickelt sich entweder Spiritualität oder Atheismus; auf jeden Fall ethische Wertmaßstäbe im Sinne einer humanistischen Ausbildung und eine entsprechende Sozialkompetenz (er hat gesunder Rebellion und auch Vertretung wie als Klassensprecher von „Stilleren oder sozial Schwächeren“ zur Folge mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn). Oft ist eine große Freude vorhanden, zu philosophieren – hohe Reflexionsfähigkeit und Sprachgewandtheit in vielen Formen.

  • Finden von Auszeiten

Sie haben Mühe auch Pausen zu machen – siehe Perfektionismus! Und „eintauchen in das Thema aus Disziplin & Hingabe aus Interesse bringt Zeitvergessenheit; auch Vergessen zu trinken und zu essen- Hypoglykämie macht „schlechte Laune“ und stresst negativ – schwächt Offenheit und Kommunikationsfähigkeit bzw. Fähigkeit zur Auseinandersetzung); denn die grossen Anstrengungen bei der Konzentration bzw. Fokussierung & Ausblendung von Unwesentlichem ist eine enorme Anstrengung. Musik bei der Arbeit kann unterstützen im einem Moment und im anderen ist es zu viel, wenn sich der hochsensible Mensch der Reizüberflutung und „alltäglichen Erschöpfung“ nähert oder über diese Grenze hinweg geht.

Auf der anderen Seite ist das „Bore-out“ (Langeweile, Monotonie, Routine) ein Bereich der neben dem „Ausbrennen“ (Burn-out“) bei ihnen ein gefährlich wichtiger Faktor; die Kombination von Leben & Arbeit ist unabdingbar miteinander verknüpft; ebenso Wertschätzung und Würde.

  • Priorisieren

Was ist das Wichtigste? Priorisieren ist ein Lernprozess und auch schwer abwägbar, weil Kleinigkeiten wichtig sind; jede Aufregung riesiger oder „bunter“ wegen der Informationsvielfalt (jedes Anliegen verdient sofort Aufmerksamkeit!). Verzettelung  oder auch langsam.Sein – langsamer als andere – wegen der Detailgenauigkeit steht am anderen Ende dieses Spannungsbogens: Freude an Kompetenz und ihrer Lebbarkeit. Sie sind aktive Theoretiker & Pragmatiker.

  • Umgang mit schwierigen Gefühlen

Da jede Information intensiv wahrgenommen wird, passiert das auch mit Gefühlen. Schwarz-Weiss gibt es nicht; Grautöne liegen dazwischen ebenso wie die gesamte Farbpaletter in allen Nuancen. Depressive Empfindungen sind dann Pechschwarz oder Tonnenschwer. Verliebtsein – lauer Sommerwind bis Orkan, der alles mitnimmt. Es ist jedoch alles andere als Hysterie! Wut, Eifersucht, Neid, Hass oder Verzweiflung zu erleben in der Gefühlswelt der anderen ist ein Berg-und-Talfahrt, wobei der Hochsensorische Mensch in der Mitte steht und all das (mit)fühlt. Deshalb ist es wichtig für Hochsensible zu lernen sich abzugrenzen, um dann auch klar zu fühlen, was die eigenen Gefühle und Empfindungen sind und die der anderen zu unterscheiden.

Zugleich ist ihr Körper eben ein Klangobjekt, weshalb sie Musik auch körperlich fühlen wie Sprache und Sprachfärbung wie Lautstärke, Intonierung, Monotonie oder Lebendigkeit in der Sprache.

Eigene Traumatas müssen unbedingt in der eigen Biographie zeitintensiv, liebevoll-klar und so detailgenau aufgelöst werden, so wie es diesem hochsensiblen Menschen gut tut. Er ist ein Autodidakt* und Selbstführender, hasst Voyeurismus und akzeptiert hier nur Begleiter, die ähnliches bewältigt haben. Das ist auch wichtig bei Generationskonflikten oder hierarchischen Strukturen, die sie nur aus der Wertigkeit verbunden mit Menschlichkeit tolerieren; anders ausgedrückt schätzen sie die Putzfrau genauso wie den Professor oder Pfarrer oder dann auch nicht, wenn dem einen oder anderen dann sozial-menschliche und ethische Kompetenzen fehlen.

  • Abgrenzung* & Vertrauen

Hochsensible haben ausgeprägte Spiegelneuronen – siehe Umgang mit schwierigen Gefühlen/Traumata Bearbeitung von Coaches, Therapeuten, Ärzten, Lehrern und Anwälten. Sie nehmen daher alles wahr, ob sie wollen oder nicht – in Sekundenbruchteilen! Wenn es zu nah wird, laufen sie gegebenenfalls weg, brauchen Pausen – auch mehrere Tage oder Wochen; deshalb sind Therapien oft kontraproduktiv in der wöchentlichen Regelung! Sei müssen wirklich lernen Empathie für sich selbst zu entwickeln und sich darin ernst zu nehmen, weil sie sonst in Isolation geraten. Letzteres ist auch die Herausforderung, wenn sie sich wie „Das hässliche Entlein“ oder „Der Adler in der Hühnerfamilie“ fremd fühlen und mit tiefer Ablehnung und Ausstossung konfrontiert waren.

  • Ausgeprägte Scham

Die hochleistungsfähigen Spiegelneuronen scannen die Menschen und Situationen unserer Umwelt; das führt dazu, dass wir uns anpassen und tun was die Umwelt will oder erwartet mit Leichtigkeit. Wenn dann eine Mutter nicht ertragen kann, dass ihr Kind weint, und das Kind zum Lauchen bringt, verlernt das Kind das Vertrauen in die eigene Traurigkeit bzw. andere intuitive Merkmale zu haben und verkümmert bzw. schämt sich dann für eine Unzulänglichkeit, übernimmt Verantwortung (auch ein Zuviel und gerät in Überlastung) weil die Mutter unreflektiert und unachtsam ist wegen eigener Alexithymie (Gefühlsblindheit). Und das Kind schämt sich dann und bezieht dieses Unvermögen auf sich, sehr zum eigenen Leid und blockadenfördend bis es lernt, dass es gesund ist im Verhalten; auch durch die Begegnung mit anderen darin reflektierten und kognitiv gesunden Menschen.

  • Hergebrachte Rollenbilder: Yin/Yang

Da Sensibilität, Verletztsein/Berührtsein, Mitgefühl oder Tränen und Erschöpfung eher den Frauen in unserer Gesellschaft zugestanden werden, ist es für Männer – männliche Systeme – fast unmöglich diese Werte im Yang wie Weichheit, Nachgiebigkeit, Empathie und natürlich-organisches Wachstum geschlechtsneutral jedem Menschen zu zugestehen. Männliche Eigenschaften sind im Yin: Aktivität, Stärke und Härte und Kanalisierung/Planung. Letztlich sind Frauen wie Männer mal aktiv und stark und dann wieder vulnerabel und brauchen Pausen. Unsere eigenes Vertrauen und unsere Wertestruktur  in die unterschiedlichen Qualitäten, macht dann den Unterschied aus und beeinflusst in der Konsequenz unser Handeln, unser Reden und gesamtes Leben.

  • Was ist Mediation?

Mediation ist ein strukturiertes Verfahren, in dem eine bewusste mediative Haltung, fein aufeinander abgestimmte Methoden und die Bereitschaft zur Selbstreflexion die Möglichkeit einen Konflikt zu erhellen und in der Folge auch zu vertiefen – erst dann können wirklich effektive Lösungen angegangen werden-  Es ist so möglich zeitnah und schnell zu bearbeiten und Stress zu reduzieren. Dem Verfahren liegen Vertraulichkeit und persönliche Verantwortung der Medianten zu Grunde sowie freiwillige Teilnahme.

Am Ende steht ein Konsens für die beteiligten Parteien mit sinnvollen, besonders dauerhaften Vereinbarungen, weil im Lösungsprozess eben auch die Zukunft als Orientierung wichtig ist und der Prozess dahin auch gestaltet wird. Die beteiligten Parteien erleben im Empowerment, das der Mediator ihnen Mut und Selbstverantwortung zutraut; das setzen die Parteien im Prozessverlauf gemeinsam um, um fair und sachgerecht vorwärts zu gehen. Mögliche Mediationsbereiche sind:

  • Familie und Besitz (Trennung, Scheidung, Erbschaftsstreitigkeiten, Generationskonflikten)
  • Nachbarschaft (Mietstreitigkeiten, Haustiere, Lärmbelästigung, Grenzbebauung)
  • Arbeit (Mobbing, Teamkonflikte, Geschäftspartner, Verträge)
  • Politik und Wirtschaft
  • Kultur und interkulturelle Konflikte
  • Ökologie
  • Kirche
  • Strafrecht und Täter-Opfer-Ausgleich

3.1. Die 6 Grundmuster der Mediation

Die 6 Grundmuster der Mediation sind eine Dialogentwicklung nach einer Art von „Sprachverstummung“ gemeinsamer Gespräche & Handlungen, die aufgrund des Konfliktes entstanden, ist hin zu „Wieder-miteinander-reden“ können. Die teilnehmenden Parteien begegnen sich über mehrere Mediationseinheiten mit dem Mediator; die 6 inhaltsreichen Grundmuster der Mediation gliedern sich wie folgt:

1.Einleitung -– Wie funktioniert es? Wer will die Mediation? Wer nimmt Teil?!

Voraus gegangen ist das Vorgespräch oder „Nullphase“, in dem einer der Medianten, die Mediation beauftragt oder ein Dritter wie beispielsweise der Chef, der zwei Mitarbeiter zur Mediation schickt.

  1. Erklärung des Ablaufes

In der Einleitungsphase sollte das „Raumklima“ stimmen; also ein angenehmer Raum mit schöner Atmosphäre. Hier informiert der Mediator über das was Mediation ist, den Verlauf, seiner allparteilichen Rolle in diesem Verfahren. Vorinformationen der beteiligten Medianten werden abgefragt. Es geht es darum, dass die Medianten alle bedeutenden Informationen offen darlegen, Gesprächsregeln sind festzulegen, auf die freiwillige Teilnahme und Mitarbeit wird hingewiesen und vom Mediator erfolgt ein Überblick über den gesamten, strukturierten Mediationsverlauf. Ausserdem wird über das Honorar, Kostenübernahme sowie dem Vertrag zwischen Medianten und Mediator gesprochen, der Sitzungsdauer von ca. 90 Minuten pro Sitzung sowie die gesamte Zeitschiene (wobei die Anzahl der Sitzungen offenbleibt; mindestens bei 5 Sitzungen liegt; wobei auch der Abbruch jederzeit möglich ist).

  • Konfliktdarstellung – Worum geht es?!

Hier ist für jeden Mediaten der Raum und die Zeit seine Sichtweise des Konfliktes ohne Unterbrechung des anderen Medianten darzustellen.

Dabei werden vertrauensvoll oder vertrauensaufbauend die Grundregeln des Verhaltens und der Gesprächsführung festgehalten. Der Mediator hat immer Blickkontakt mit den Medianten und besonders dem sprechenden Medianten, auch in seiner gesamten Hinwendung. Hier erfolgt die wertungsfreie Sammlung der Konfliktthemen. Die Reihenfolge entsteht aus der Frage: „Wer mag beginnen?“ Durch aktives Zuhören und der Spiegelung der Sachebene und der Gefühlsebene erfolgt das für die Parteien wichtige Gefühl, dass sie wahrgenommen und ernstgenommen werden. Manchmal erfolgten Umformulierungen von negativen, verletzenden Aussagen und Empfindungen. Zusammenfassend – fortlaufend oder eben am Ende der Aussagen eines Medianten – werden die Gemeinsamkeiten und Differenzen benannt. Belobigung der Zusammenarbeit der beiden Parteien wirken förderlich im Sinne des Empowerments. Durch offene, vertiefende Fragen wird der Konflikt immer klarer.

  • Konflikterhellung – Einblicke, warum ist der Streit entstanden?! – Die „Eisbergspitze“

Hier besteht die Möglichkeit die Bedeutung des Konfliktes für jeden Medianten in der empfundenen Tiefe und notwendigen Bandbreite auszusprechen. Dabei besteht die wichtige Möglichkeit aus den Konfliktgegnern wie Mediations-gewünscht Konfliktpartner zu machen.

Der Mediator beobachtet, wie weit Hintergründe wirklich konfliktrelevant sind oder eben auch die Mediation überfordernd; weil ein Mediant eben eine psychotherapeutische Begleitung braucht.

  • Konfliktvertiefung – Gibt es noch mehr Gründe für den Streit?! – Der „Eisberg unter Wasser“

Dabei tauchen die gemeinsamen und unterschiedlichen Motivationen, Hintergründe, eigene Bedürfnisse und Ziele oder Wünsche jedes Medianten auf, die herausgearbeitet werden. In dieser Phase entwickeln sich von der ersten Gefühls- und Sachebene tiefere Gefühlsebenen. Verschiedene Tools wie Reframing, Methoden zum Perspektivenwechsel (Rollentausch Stuhlwechsel, Selbstbild-Fremdbild), Doppeln oder Einzelgespräche zur Überwindung von Blockaden bieten die Möglichkeit zur Vertiefung. Die Visualisierung von eignen Wünschen und Interessen sowie offene, zirkuläre Fragen, die vertiefen sind hier sinnvoll.

  • Lösungsversuch – Was können wir tun für Frieden & Erfolg?!

Die Medianten entwickeln aus den Lösungsvorschlägen einvernehmliche Lösungen; dabei haben gleiche Interessen den Vorrang. Spontane und gezielte Vorschläge werden diskutiert, ebenso wie die Optionen. Evtl. gibt es eine To-Do-Liste, die genauso wie die Lösungsliste darauf überprüft wird von den Medianten wie diese Probleme in eine konstruktive Lösung überführt werden können. Danach erfolgt der Check auf die Realisierbarkeit und evtl. Zeiträume, die zur Umsetzung benötigt werden. Dazu kann der Mediator auf seinen Methodenkoffer: Brainstorming (spontaner Zuruf von Ideen), Suche nach objektiven Kriterien, Suche nach den Einigungsgrad, evtl. Einzelgespräche, Sternanalyse, „Ja-wenn-Sätze (statt „Ja-aber-Sätze) zurückgreifen. Es kann hier ggfs. auch abgebrochen werden, wenn alles nichts nützt. Wichtig ist weiterhin empathisches, wertungsfreies Verhalten ohne Schuldzuweisungen und in Form von Empowerment den Selbstwert der Parteien zu stärken.

  • Vereinbarungen – „Urkunde“ für Erfolg!

„So machen wir es“- Prinzip; es ist fair, effizient, vernünftig und sachgerecht, stabil. Ausserdem wird das „worst-case-Szenario“ zur „best-case-Situation“. Eine Prüfung der besten Alternativen kann hier auch noch erfolgen; das SMART-Prinzip bietet hier eine effektive Leitlinie. Der Einigungspakt wird überprüft auf Umsetzung und Kontrolle, auch der Umgang mit künftigen Herausforderungen kann hier vereinbart werden. Es erfolgt eine schriftliche Vereinbarung mit „Memory-Effekt“, die Unterschrift der Medianten „besiegelt“ den Willen dazu und eine symbolische Abschlussgeste sorgt für die Erinnerlichkeit durch das Fühlen dieser Geste.

  •   Mediation – ein aktiver Prozess zusammen mit Hochbegabung &  Hochsensibilität

Da die geforderten und erwünschten Fähigkeiten neben Fachkompetenzen in unterschiedlichen Bereichen, die die Hintergründe von gelungener Mediation ermöglichen, ist eine Verbindung von Mediation zu Hochsensibilität & Hochbegabung sinnvoll und auch wegweisend.

  • Der Mediator als hochsensibler & hochbegabter Mensch

Ein Mediator ohne Lebenserfahrung, Gerechtigkeitsempfinden, Flexibilität, Lernbereitschaft und Offenheit wird in der Mediation schnell ein Ende finden und eine Lösung, die weniger an den Wünschen und der Lösungsbereitschaft orientiert ist.

Wegen der Reizüberflutung und Intensitätswahrnehmung ist für den Mediator ein Büro, ein Raum, in der er sich wohlfühlt sich den Gesprächen und Emotionen zu stellen, seine Gelassenheit zu wahren ebenfalls sehr bedeutsam. Er kann zwar auch „auf eine Holzkiste“ arbeiten, weil er seine Persönlichkeit eben immer „bei sich hat und auch sein Know-how“, dennoch ist für ihn Ästhetik wichtig – in allen Bereichen. Der Mediant muss also auch etwas für den Medianten „fassbar/scanbar“ ausstrahlen, was Begeisterung, Lösungsorientiertheit und humanitäre Wertigkeit vermittelt, sonst wird dieser Mediator alles andere als bereit sein, die Mediation durchzuführen, auch wenn ihm Geld dabei erst einmal verloren geht. Dabei geht es um seine Selbstwertschätzung, Selbstachtung und Autonomie.

Beim „mach mit! – die Einladung, die in allen Phasen immer wieder neu ausgesprochen wird, ist eine gute, freundliche und vertrauensbildende Atmosphäre wichtig und auch der Mediator muss diese Persönlichkeit ausstrahlen, einladend, vertrauensbildend und verlässlich. Er führt, indem er sagt, wo es lang geht und wie es langgeht. Der Mediator muss die Gefühle, die Sorgen und Verhaltensweisen sowie Handlungsabläufe wertneutral hören und wahrnehmen; ist er hochsensibel & hochbegabt, wird er hier schon mehr Informationen wertfrei als „innere Faktoren des Medianten“ wahrnehmen als ein Mediator, der robuster ist und evtl. sich auf vorgefasste Erfahrungs- und Meinungsparameter bezieht. Diese Art der Hochrechnung ist diametral anders als die Seismizität des hochsensiblen Mediators, der dann vorausschauend und rasant-seismisch reflektierend, weil empfindend, Situationen im Ausgang erkennt. Offen zu bleiben, wissenschaftlich neugierig ist hier ein geniales Element auch in der Ergebnisoffenheit.

Der Mediator erkennt selbst erlernte und erfahrene Profilelemente seiner Umwelt – kann als Profiler arbeiten; er „empfindet“ den Schmerz, die Intensität des Leidenden und kann mit einem „heiligem Zorn“ den Schwächeren verteidigen wollen – aus eigener Erfahrung des Schmerzes oder solidarisiert sich mit dem „Stilleren“ in der Mediation, während er dem „Lauten“ dann scheinbar in der Oberfläche mehr Raum gibt sich darzustellen und zu erklären. Das ist ein dauerhaft wichtiger Reflexionspunkt für den Mediator!

Auch die Bedeutung von Zeit ist dem hochsensiblen Mediator vertraut, die Vermeidung von „exklusivem Voyeurismus“ bei einem Verfahren von Konfliktklärung, die fordert alles „bis auf die Unterhose“ notwendigerweise und fallbezogen zu erzählen. Das erfordert Vertrauen und auch flexible Entgrenzung der Medianten.

Die Tools des Nachhakens, des Doppelns und Spiegelns oder des Rollentausches gehören zu den natürlichen intuitiven und detailreichen Fähigkeiten des hochsensiblen Mediators.

Das „immer-wieder-Eingehen“ und Verstehen ist natürlich – Meinungsoffenheit –  auf die eine wie die andere Partei, entspricht so „einer permanent Rollentauscherfahrung“ innerhalb des Mediation für den Mediator und genau wegen dieser „leichten Übung“ ist der Beruf eine Berufung für den Mediator.

Auch für „advancer & seeker“ unter den Mediatoren ein Abenteuer- und Adrenalinkick, der ihre Begeisterung immer wieder hervorholt im Positiven wie im Negativen die eigene Grenzüberschreitung und gewohnte Entgrenzungsfähigkeit, die zur Erschöpfung führt. Und durch geregelte Auszeiten und Selbstfürsorge verhindert wird.

Dem gegenüber steht die Fähigkeit des Mediators introvertiert, also „still & unsichtbar, doch beobachten und viele Zwischentöne erfassend“ den Medianten den Raum zu geben, ihre Lösungen zu finden. Er ist dann mehr ein Lotse auf dem Schiff anderer Eigener und lässt sie lernen die Untiefen und Passagen kennen zu lernen, um auszuloten was wirklich geht und was bremst und verhindert. Dabei ist er besonnen und registriert mit Einsichtserlaubnis in das Leben der Medianten – in Achtsamkeit, frei von Sensationslust, allerdings in der auch detektivischen Neugier alles was gerade passiert. Hier ist die  Fähigkeit der Seismizität und auch Synchronizität die Basis in bewusster Resonanz zu sein.

Im Rahmen dessen ist der Mediator eben auch bewusst, dass die Irrationalität der Ängste seiner Medianten zwar ernsthaft sind und dennoch auch eine Form von Illusion und damit etwas anderes sind als erfüllbare Visionen, die in der Mediation eröffnet werden (sollen).

In der Empathie ist wichtig eigene „Knetschen & blinde Flecken“ immer wieder zu beachten und dann selbst mit Coaches in gesunde Balance zu bringen. Das dient auch der Resonanzfreiheit in den einzelnen Fällen, weil Medianten durchaus traumatische Hintergründe und Lebenserfahrungen haben. Hohe, breite Reflexionsfähigkeit eröffnet so dann auch wertfreie Lösungsoffenheit – dazu ist der hochsensible/hochbegabte Mediator aus der Bereitschaft das eigene Leben zu entschlüsseln auch immer bereit. Das Erkennen und Verständnis eigener Vulnerabilität ist für den Mediator der Schlüssel zu Entspanntheit neben aller Bedrohlichkeit, allem Druck und allen Fehlschlägen, die in einem Konflikt enthalten sind.

Gleichzeitig bietet eben die „Spürnase“ des Mediators, die Widerstände, Blockaden und negativen Erfahrung zu erfassen und in der Doppelung auszusprechen. Oder eben auch das Gefühl für „echten Frieden“ nach den Phasen 3 und 4 zu haben – mit und für die Medianten unausgesprochen von seiner Seite. Oder diese Phasen erneut zu initiieren bzw. dann auch abzubrechen und dem Ausdruck zu geben.

Die Balance zwischen dem „Löwenzahn“ – Lebenshärte – und der „Orchidee“ – optimales Leben – findet in der Mediation geschildert durch die Klarheit des Verfahrens sowie der Mischung von der Tatsache, dass der Mediator auch im Sinne von „Empowerment“ die Medianten in ihrer Kraft, Fähigkeit Wünsche und Ziele zu äussern ebenso wie absolute „no go’ s“, die sie im Grunde ihrer eigenen Würde und im Bewusstsein wer sie sind und sein wollen, unterstützt, fördert und auch fordert.

Gerade wenn der Mediator im Sinne eines Archetypen des „verwundeten, geheilten Heilers“ agiert, hat er viele traumatische und belastende Situationen der eigenen Kinder- und Jugendtage vom Kopf her reflektiert und emotional transformiert, in dem er „negative“ Gefühle wie „positive“ Gefühle anerkennt und sich von den „negativen“ eben bewusst löst (das ist etwas anderes als Gefühle und Erfahrungen zu verdrängen und hat psychosomatische Disharmonie bis Krankheiten zur Folge!)

So kann der Mediator eben klar ausdrücken und zusammenfassen, ebenso wie beim Doppeln- in grosser Sicherheit und Zuverlässigkeit des eigenen persönlichen Wachstumsprozesses. Bei den erfahrenen Härten der Medianten wird er in größtmöglicher Behutsamkeit vorgehe, weil er die eigene Vulnerabilität kennt und die Chance darin.

Da im Zentrum von Wahrnehmung und Handeln des Mediators das Verstehen steht, wird er sich vergewissern – auch bevor er die gesamten Bilder des Konfliktes zusammenfügt, um die Medianten dezent und zugleich prozessgetreu zu lotsen – das Gemeinte korrekt verstanden zu haben. Diese Inhalte werden abgestimmt und können zweifelsfrei (detektivische Fähigkeit plus Profiling) eben dann auch gegeneinander abgegrenzt werden, so dass klar ersichtlich ist, wo der Konsens entstehen kann, entsteht und wo nicht.

Die Feinfühligkeit und hohe Sensorische Fähigkeit, situativ zu scannen, gibt dem Mediator auch das klare und gute Gefühl, dass der Konsens – Weg der Erkenntnisgewinnung –  als eine Bedingung und Folge des Verstehens entwickelt wurde. Er kann auch genau spüren wo die Mediation abgebrochen werden muss oder gegebenenfalls wirklich Einzelgespräche stattfinden müssen.

  • Der Mediant als hochsensibler & hochbegabter Mensch

Ein hochsensibler Mediant wird von Anfang an; also auch schon im Telefonat die Frequenzen scannen, ob die Stimme des Mediators angenehme ist, ob er in der Lage ist, sich aktuell und spontan wirklich schon auf den möglichen Medianten einzulassen (hochsensibler & hochbegabter Mediator tut dasselbe seismisch auch!)

Evtl. stellt der Mediant eine Vertrauensfrage wie: „Ich bin ein Halbstarker und will diese Verhalten verändern – was nutzt  mir diese Fähigkeit bei Ihnen? Die Testung ist dann die Urteilslosigkeit des Mediators bzw. der Mediant öffnet sich in seiner Vulnerabilität und zeigt Angriffsfläche.

Beim ersten persönlichen Kontakt ist tatsächlich wichtig, dass die Kombination von Klarheit und angenehmer Menschlichkeit – für die Vertrauensbrücke – schnell eröffnen müssen; da hat der Mediator wenig Zeit durch die feine Sensorik des Medianten.

Ein Witz unterstreicht das Gesprächsverständnis des hochsensiblen & hochbegabten Medianten:

An der Rezeption steht ein hochsensibler Hotelgast. Der Rezeptionist gibt ihm einen Schlüssel mit den Worte: „Sie wohnen jetzt neben mir.“ Der hochsensible Hotelgast antwortet: „Oh Sie wohnen neben mir!“

So ähnlich reagiert ein hochsensibler Mensch auf die Frage: „Wie geht es dir?“ – Er geht von echter Anteilnahme oder Interesse aus; Oberflächlichkeit ist ihm fremd. Er ist erst einmal irritiert, dass das Interesse nur der Small-Talk-Höflichkeit entspringt und damit gar nicht eine detaillierte Antwort gefragt (diese Klarheit ist auch für den hochsensiblen & hochbegabten Mediator von Vorteil und manchmal ein Handicap, dass er erst mit alltäglichem Üben etwas reduziert zum Vorteil von Small-Talk).

In diesem Sinn kann ein Mediant scheinbar „zusammenhanglose“ Ereignisse wie in einem „Umweg“ zusammenfügen, um ein Ereignis, eine Situation so genau wie möglich und für ihn bedeutsam wiederzugeben. Das erfordert auch Zeit innerhalb der Mediationssitzung! Er kann auch erst einmal verstummen, weil er reflektiert und in sich spürt wie sich seine Wahrnehmung in den Situationen, die zum Konflikt führten, anfühlten. Das eröffnet dann die Tatsache, dass der hochsensible &  hochbegabte ein „Elefantengedächtnis“ hat, zumal auch alle Sinne mit eingebunden sind.

Chance und Gefahr sind hier nonverbale Kommunikationsfelder, die die hochsensiblen Menschen spüren und eine Gemeinsamkeit untereinander schaffen. Jeder weniger sensible Mensch oder gerade alexithymische Mensch (Gefühlsarm bzw. Wortkargheit im Hinblick Gefühle differenziert zu benennen) braucht dann das wirklich tiefe und weite Empfinden des Mediators (was dieser kann, nämlich in gefühlt „5 km Erdtiefe“, die Wunde zu fühlen). Gerade auch bei narzisstischen Medianten, kann der Mediator fühlen und muss dann behutsam lenken, dass der Narzisst sich nicht ertappt oder entblößt füllt – narzisstischen Wunden sind für den Narzissten absolute No go’ s!

Bei Borderlinern entsteht Irritation aufgrund von Klarheit des hochsensiblen & hochbegabten Mediators, der dann auch wenig manipulierbar ist bzw. sehr schnell entdeckt, was passiert. Borderliner sind traumatisch verwirrt in der sozialen Aussenkommunikation und versuchen alle und alles in ihrer Welt zu halten – schwierige Mediationen.  Hieraus ergibt sich evtl. dann auch mitten im Prozess erneut die Vertrauensfrage; auch in der Differenzierung, dass es alles andere als darum geht mitzuleiden, sondern im distanzierten Mitgefühl die Lösungsfindung zu unterstützen.

Im gesamten Prozess ist dann auch zu beachten, dass die einsetzende Erkenntnis des Medianten auch innerlich „Mauern zum Einbruch“ bringt, und die Tatsache, dass die Selbstempfindsamkeit bzw. Monitoring sehr stark ausgebildet sind. Hier braucht es Pausen und auch die Akzeptanz des Mediators, dass der Mediant gerade einen innerlichen Durchbruch erlebt, der ihn äusserlich scheinbar nicht im Thema oder der gegenwärtigen Situation sein lässt. Evtl. muss dann eine weitere Sitzung erfolgen – also mehr als eine kurze Pause – weil der Mediant dann alles in sich neu integriert und strukturiert.

Ähnlich ist es bei „Scham- oder Schuldempfinden“ das bei hochsensiblen & hochbegabten Menschen sehr ausgeprägt oder auch latent verborgen wirkt. Und nichts mit mangelndem Selbstbewusstsein zu tun hat, sondern eben aufgrund der Fähigkeit intensiv zu fühlen, sehr dominant das Verhalten, die Wortwahl und die Präsenz des Medianten in der Mediation prägt; auch ohne direkt bewusst zu sein.

Fazit

Die Grundlagen der Mediation sind neben den Fakten, Sachthemen und klarer Gestik verbunden mit den Aussagen des Medianten und bilden die sogenannte „Spitze des Eisbergs“.

Die Notwendigkeiten, die in der Mediation aus der Not herausgewendet werden wollen und können, liegen im Bereich des Eisberges unter Wasser; das, was nicht sichtbar ist wie Motivationen, Wünsche (auch wirklich unbewusste und/oder bewusst verdrängte), Ziele… Alles Themenbereiche der Menschlichkeit und auch einer menschlichen Unmenschlichkeit, die im Alltag als Lebenserfahrung stattfindet.

Das Verständnis von Mediation ist schon bei Solon 594 v. Chr. als gewähltem Archon  und damit vom Volk bestimmter Versöhner und Vermittler offensichtlich geworden. So wie ein König oder Herrscher schon immer einen Priester oder Seher oder „Hofnarr“ – als Vertreter hoher sensorischer Sensitivität, Wahrheit und Weisheit bzw. dann auch Medialität (vermittelnd tätig sein) –  an seiner Seite gebraucht hat, sind wirkliche Honoratioren mit hohem ethischen und sozialen Werten, die die kriegerischen Ansprüche auch mit Friedensbemühungen entgegensetzen, über die Jahrhunderte wichtig geblieben – die persönliche Form hat sich gewandelt; eben auch evolutionär.

Soziale Ungerechtigkeiten gibt es seit Menschengedenken und ebenso umfassend ausgebildete und natürlich breit begabte Menschen, die in Konfliktbereiche eingreifen. Unrecht wird so sichtbar ebenso wie Fehlhaltungen der Masse oder in der Geschichte eben von Institutionen, gesellschaftlich-wirtschaftlich besser Gestellten, die Recht und Sozialleben beugten.

Im Leben braucht es zur Wandlung philosophische Ansätze wie von Sokrates, Platon oder Aristoteles und seiner Gerechtigkeitslehre. Heute sind Politiker wie Konrad Adenauer, Hans Koschnik oder Michail Sergejewitsch Gorbatschow und Helmut Kohl in der Vorbereitung des „Mauerfalls“ 1998 eben zeitgemäße Mediatoren; Vermittler von Friedensmöglichkeiten und deren Umsetzung. Es wird immer auch Gegnern neben den Befürwortern geben.

Doch der Weg ist für die „gesamte Welt“ nur in der Entwicklung und Kenntnis gemeinsamer Betroffenheit wirklich erfolgreich zu bewältigen. Dabei ist es egal, ob in Themen der Gesundheit oder Krankheit, Reichtum oder Armut, Umwelt, Technik und Leben und auch im kleineren Rahmen persönlicher Gestaltung mit Streit- und Friedensoptionen. Mediation ist hier der zukunftsweisende Weg.

Dabei ist gute Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit allein der Schlüssel; das braucht menschliche, persönliche Selbsterfahrung, die Bereitschaft Konflikte zu transformieren und sich im Leben davon immer wieder zu überzeugen, dass Mediation eben auch eine Art der Heldenreise ist, ein Abenteuer sich selbst kennen zu lernen – immer wieder auch neu.

Hochsensible & hochbegabte Menschen können als neue Form von einer inneren Gelehrtheit aufgrund eigener  wachsender und lebendiger Reflexion in fast jedem Beruf Gutes wirklich erfolgreich leisten und auch als Bäcker, der die richtigen Zutaten nimmt für das Brot oder Koch, der alle Nahrungsmittel geschmackvoll für den Gaumen und das Auge zusammenfügt oder ein Sommelier oder Parfümeur eben die Ingredienzien erkennt und anderen Menschen nahebringt.

Es geht um Wohlbefinden für mehr Menschen in kleinen wie großen Gemeinschaften und Nationen; also wer kann das in zerfahrenen Arbeits- und Beziehungssituationen fast ganzheitlich begleiten? Ein selbsterfahrener, weitgehend urteilsfreier, neugieriger und offener, lernfähiger und lernbereiter Mensch, der bereit ist zu mediieren.

… vielleicht findet sich der eine oder andere Leser dieser Arbeit genau in diesem Feld und damit Antworten auf Fragen, die er schon lange beantwortet haben wollte.

Cornelia Rosina Wunder